| Besuch der Wetterwarte Hasselhorst |
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Reservisten besuchen die Wetterwarte TrÜbPl Bergen/HasselhorstIm September besuchten die Reservisten der RK Hankensbüttel/Dedelstorf den Aerologischen Meßzug der Bundeswehr in Bergen/Hasselhorst gemeinsam mit den Funkamateuren des Celler Ortsverbandes.
Die Gruppe war gemeinsam mit den Freunden der Celler Funkamateure, die während ihrer Conteste regelmäßig in unserer ehemaligen Kaserne untergebracht sind, zu diesem Besuch bereits seit längerer Zeit vorangemeldet. Das perfekte Wetter versprach uns einen ganz besonderen Besuch, zumal der Himmel absolut wolkenlos war und kaum ein Lüftchen wehte. Aufgrund einiger, sehr kurzfristiger Absagen hatten sich nun insgesamt 10 Personen an diesem Samstag eingefunden und pünktlich um 12:00 Uhr klingelten wir am Tor der Wetterwarte. Der diensthabende Meteorologe Herr Rätz erwartete unsere Gruppe bereits im Verwaltungsbereich des idyllisch gelegenen Geländes.
Dort werden u.a. vollautomatisch durch verschiedene Sensoren die verschiedenen Wetterdaten, wie Temperatur, Windrichtung und durch eine Lasereinrichtung sogar die Bewölkung im Nahbereich ermittelt. Zusätzlich werden von den Bediensteten der Einrichtung ebenfalls regelmäßig optische Kontrollen normierter Punkte in der Umgebung von einem exponierten Standort durchgeführt und protokolliert. Alle Wetterdaten fließen dann in das zentrale Meßnetz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ein und werden, gemeinsam mit den Daten vieler anderer Stationen, in einer Datenbank gespeichert und weiter verarbeitet. Der tägliche Wetterbericht wird dann auf Basis dieser vielen, gesammelten Daten zentral erstellt und an Medien wie Rundfunk, TV und Fernsehen verteilt.
Dabei wird eine detaillierte vertikale Schichtenanalyse der Luftschichten bis in die Troposphäre erstellt (ca. 35-40km Höhe). Eine an einem mit Helium gefüllten Ballon befestigte Radiosonde wird zu diesem Zweck viermal täglich zu weltweit ebenfalls einheitlichen Zeiten (00Z/06Z/12Z/18Z) gestartet, um dabei vergleichbare Daten an verschiedenen Orten zu gewinnen. Mit Hilfe einer automatischen Dosiereinrichtung wird dazu ein 800g Latex-Ballon mit 1.800l Helium gefüllt. Diese Menge ist erforderlich, um dem kompletten Gespann aus Ballon und Radiosonde den erforderlichen Auftrieb von ca. 5m/s zu geben und damit innerhalb von ca. 1h vom Startort bis zur gewünschten Gipfelhöhe die Luftschichten zu durchstreichen und die ermittelten Werte für Temperatur, Taupunkt, Luftfeuchte, Luftdruck und Windrichtung an die Bodenstation per digitalem Datenprotokoll zu senden.
So wurde früher statt des nichtbrennbaren Heliums noch Wasserstoff zur Befüllung der Ballons verwendet. Dieses, den meisten auch unter dem Namen "Knallgas", aus dem Chemieunterricht gut bekannte Gas ist zwar deutlich preiswerter, aber eben auch sehr viel gefährlicher, da es im Gemisch mit Luft sehr explosiv ist. Die Ballonhalle ist größer, als heute erforderlich, dimensioniert, da früher das Sondengespann erheblich schwerer, und damit die verwendeten Ballons eben auch größer sein mußten, als es für die heute verwendeten, modernen und nur 200g leichten Radiosonden erforderlich ist. Nach der Vorbereitung des Ballons ging es zunächst zurück in das Gebäude der Wetterwarte, dort wartete die Radiosonde bereits auf ihren Einsatz.Die Radiosonde VAISALA RS-92SGPSowohl bei der Bundeswehr als auch bei den Meßstationen des DWD, die regelmäßig Radiosondierungen durchführen, kommt inzwischen seit ca. 3 Jahren die Radiosonde RS-92SGP des finnischen Hersteller VAISALA zum Einsatz.
Neben den Sensoren befindet sich noch eine quadrifiliare Helixantenne (QFH) an ihrer Oberseite, über die der interne GPS-Empfänger die Satellitendaten empfängt. Eine kleine Lamda/4 Groundplane für das Funkmodul ragt in Form eines dünnen Drahtes an der Unterseite aus dem Gehäuse heraus. Vor dem Start wird die Radiosonde in einer speziellen Kalibriervorrichtung, dem GC-25 des gleichen Herstellers überprüft, kalibriert und für den Start programmiert. Dabei werden die Sensoren kalibriert, Korrekturwerte in den internen Speicher übermittelt und die Sendefrequenz programmiert. Die Sonde ist damit nun fast betriebsbereit und beginnt sofort mit der Übermittlung ihrer Daten. Da im Gebäude natürlich noch kein GPS-Empfang möglich ist
Hier am Start und bei Bodenluftdruck (Standard 1013.2 hPa) hat der Ballon zunächst einen Durchmesser von ca. 2m, im Verlauf seines Fluges wird er, durch den sich immer weiter verringernden Luftdruck stetig vergrößern. Bereits in 5.000m Höhe beträgt der Luftdruck nur noch ca. 500 hPa und damit gerade einmal die Hälfte des Bodendrucks. In der Gipfelhöhe des Radiosondenaufstieges bei 35km oder mehr beträgt der Luftdruck dann weniger als 10 hPa und damit nur noch ein Hunderstel unseres Luftdruckes hier am Boden. Der Ballon dehnt sich dort auf einen Durchmesser von ca. 10m aus, bevor das extrem dehnbare Latexmaterial dann bei Temperaturen um -65.0 °C dann so strapaziert wird, das der Ballon schließlich platzt. Für die Meteorologen hate die Radiosonde dann ihre Arbeit erledigt und das Gespann kehrt, wenn alles nach Plan klappt, nach einem anfänglichen Sturzflug mit bis zu -50 m/s Fallgeschwindigkeit durch die sehr dünne Atmosphäre ab ca. 20km schon spürbar durch den Fallschirm gebremst allmählich immer langsamer zur Erde zurück. Bei guter Thermik und wenig Ballonrest kann so ein Segelflug dann noch einmal gute 60 Minuten dauern, bis das Gespann dann mit -2.5 m/s zur Erde zurück kehrt.
Nachdem das Gespann dann auch für die letzten Kameras aus dem Bereich der Zoomobjektive verschwunden war, ging es zurück in das Gebäude, um dort an der Bodenstation den weiteren Verlauf des Fluges und die korrekte Übermittlung der Daten zu verfolgen. Am Kontrollmonitor der Bodenstation ist dort die Analyse der von der Radiosonde im Sekundentakt gesendeten Daten detailliert zu verfolgen. Bis zum Gipfelpunkt werden so mehr als 5.000 Meßwerte protokolliert, die ein sehr genaues Abbild der Luftschichten ergeben. Im Verwaltungsgebäude gab uns Herr Rätz noch einen weiteren Einblick in die früheren, sehr interessanten Aufgaben der Bergener Station. So wurden Ende der 70er-Jahre sogar Stratorphärenballons in Bergen gestartet. Diese sehr riesigen Gebilde mußten damals vor dem Aufstieg mit Seilen gesichert, zunächst mit ca. 1.200.000l Wasserstoff gefüllt werden, bei bewölktem Wetter war die Ballonspitze vor dem Start bereits in den unteren Wolkenschichten über dem Startplatz nicht mehr zu erkennen.
Interessanterweise entdeckte Meinhard Günther, DL2MF dann im Monitorraum, in dem wir den Flug beobachteten, noch ein anderes Radiosondenmodell an der Wand. Es handelte sich um die, bei anderen Diensten eingesetzte Radiosonde DFM-06 des deutschen Herstellers GRAW Nürnberg. So konnte er den interessierten OM's im direkten Vergleich mit der VAISALA RS-92 die Unterschiede im Aufbau und der Funktion erläutern.
Nachdem wir uns alle an den Monitoren davon überzeugt hatten, das "unsere" Radiosonde fleißig ihre Daten sendet nutzeten wir die Gelegenheit, um Herrn Rätz noch einige allgemeine Fragen zur Entstehung, Beobachtung und Auswertung des Wetters zu stellen.
Wir bedankten uns bei Herrn Rätz für den interessanten Einblick in seine Arbeit und die sehr detaillierten Erläuterungen dieser vielfältigen Tätigkeit. Den Wetterbericht am Abend haben sicher einige von uns heute mit ganz anderen Augen gesehen und jeder wußte nun, "woher eigentlich unser Wetter kommt".
Zum Abschluß dieses interessanten Tages kehrten dann einige der Teilnehmer noch zu einer Tasse Kaffee und einem leckeren Stück frischem Obstkuchen auf der Rückfahrt in einem gemütlichen Lokal am Golfplatz in Celle ein, bevor es nach Hause ging. An dieser Stelle bedanken wir uns bei der Bundeswehr AGeoMilBw Euskirchen, der Wetterwarte Bergen/Hasselhorst und Herrn Rätz die uns diesen Besuch ermöglicht haben. Verfasser: Meinhard Günther - Alle Rechte vorbehalten ! Nachdruck - auch auszugsweise - nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung. |
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